Der Schacht
Ein Gesellschaftskritischer Science-Fiction Thriller des spanischen Regisseurs Galder Gaztelu-Urrutia.
Worum geht es?
Im Film Der Schacht geht es, wie der Name bereits verrät, um einen Schacht, auf dem es mehrere Ebenen gibt. Auf jeder Ebene befindet sich eine Zelle, in der sich zwei Insassen befinden. Eine Plattform in der Mitte des Schachtes fährt hinunter. Auf ihr befindet sich ein gedeckter Tisch. Zumindest auf Ebene 1 ist der Tisch noch makellos gedeckt. Nachdem die Insassen der Ebene 1 mit dem Essen fertig sind, fährt die Plattform eine Ebene tiefer auf Ebene 2, wo wieder zwei Insassen davon essen, und so weiter.
Der Protagonist Goreng ist einer der wenigen Freiwilligen im „Vertikalen Zentrum für Selbstverwaltung“, wie es die Verwaltung nennt. Dazu aber später mehr. Goreng wacht auf Ebene 48 auf und findet sich dort mit Trima Gazi wieder, einem älteren Herrn, der aufgrund komplexer Umstände für den Tod eines illegalen Migranten verantwortlich ist.
Goreng stellt viele Fragen in Bezug auf den Schacht, die Trima Gazi mal mehr, mal weniger ausführlich beantwortet. Unter anderem erfährt er, dass man jeden Monat einer neuen Ebene zugewiesen wird. Als Goreng erfährt, dass es mehr als 132 Ebenen gibt, schlägt er entsetzt vor, dass man das Essen einteilen müsse und alle zusammenarbeiten sollten. Zum einen kommt unten kaum noch etwas an, zum anderen bedeutet dies den sicheren Tod für Personen, die zweimal hintereinander das Pech haben, auf einer der niedrigeren Ebenen zu landen.
Trima Gazi entgegnet ihm plump mit den Worten: „Sind Sie ein Kommunist? Die da oben werden nicht auf einen Kommunisten hören.“ Daraufhin antwortet Goreng: „Dann fange ich mit denen da unten an“, und fordert die Menschen auf den niedrigeren Ebenen dazu auf, das Essen aufzuteilen. Trima Gazi unterbricht ihn jedoch, uriniert auf das Essen für die unteren Ebenen und sagt, dass die Menschen dort im nächsten Monat dann ebenfalls auf ihr Essen pinkeln würden.
Es wird schnell klar, dass man in diesem Schacht seinen Willen nur in eine Richtung aufzwingen kann: nach unten. Ob man isst, trinkt oder pinkelt – alles läuft nur nach unten. Wie Trima Gazi zusammenfassend sagt: Auf den oberen Ebenen kann man essen, worauf man Lust hat. Weiter unten hat man nicht viel zu erwarten. Dort hat man Zeit zum Nachdenken.
Und so kommt es im zweiten Monat: Goreng und Trima Gazi wachen auf Ebene 171 auf.
Meine Gedanken
Dieser Film übt eindrucksvoll Kritik an unserer Gesellschaft. Diejenigen, die oben sind, diktieren denjenigen unten, was sie zu tun haben. Als Druckmittel haben sie das Essen in der Hand. Kooperieren die unteren Ebenen nicht, bekommen sie nichts mehr zu essen. Die Menschen auf den oberen Ebenen hören einem nicht zu, da man nun einmal „nicht nach oben scheißen“ kann, wie Goreng im dritten Monat feststellt.
Hierarchien sind in unserer Gesellschaft oft fest verankert. Veränderungen lassen sich nur nach unten erfolgreich diktieren – und häufig nur mit Gewalt.
Auch die Inszenierung des Films überzeugt. Obwohl fast die gesamte Handlung am gleichen Ort spielt, entsteht keine Langeweile. Die eintönige und bedrückende Umgebung verstärkt stattdessen das Gefühl von Gefangenschaft und Hoffnungslosigkeit. Der Schacht wirkt kalt, unmenschlich und klaustrophobisch. Brutalität und Kannibalismus werden dabei nicht nur eingesetzt, um zu schockieren, sondern verstärken die Atmosphäre der Verzweiflung.
Die teilweise extreme Gewalt macht den Film allerdings auch schwer zugänglich. Der Schacht ist definitiv nichts für schwache Nerven. Einige Szenen sind bewusst übertrieben und unangenehm, wodurch die gesellschaftliche Botschaft manchmal etwas sehr direkt vermittelt wird. Trotzdem passt diese Härte meiner Meinung nach zum Konzept des Films.
Thematisch erinnert Der Schacht an Filme wie Snowpiercer von Bong Joon-ho. Beide Werke stellen gesellschaftliche Klassenunterschiede mithilfe einer räumlichen Hierarchie dar. Während sich die Gesellschaft in Snowpiercer von hinten nach vorne aufteilt, funktioniert sie in Der Schacht von oben nach unten.
Fazit
Alles in allem ist Der Schacht für mich ein sehr gelungener Film. Besonders stark sind die bedrückende Atmosphäre, die einfache, aber wirkungsvolle Grundidee und die Gesellschaftskritik. Der Film zeigt auf drastische Weise, wie Ungleichheit, Egoismus und Macht miteinander verbunden sein können. Auch wenn die Gewaltdarstellung stellenweise extrem ist, bleibt vor allem die zentrale Frage im Gedächtnis: Würden Menschen freiwillig teilen, wenn sie selbst genug haben?
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